Auf den Punkt gebracht – Baukostenobergrenzen
Realitätsverlust am Bau – Leserbrief von Bernd Tibes

Auf den Punkt gebracht - Baukostenobergrenzen Realitätsverlust am Bau – Leserbrief von Bernd Tibes

Zu „Architekten müssen Baukostenobergrenzen einhalten“ [F.A.Z. vom 6. September2019]:

Bei manchen Gerichtsurteilen und anderen Gesetzesinterpretationen fällt es juristischen Laien schwer, Konvergenz mit der Lebenswirklichkeit herzustellen.
So geht es mir bei dem von Professor Scholtissek beleuchteten Thema Baukostenobergrenze und Beschaffenheitsvereinbarung. Aus meiner Sicht ist es für Architekten nahezu unmöglich, diese Vereinbarung einzuhalten, da zu der Kostenobergrenze – wie im Artikel ausgeführt – auch eine spezifische Baubeschreibung [Qualitäten und Eigenschaften des Projekts wie auch seine Beschaffenheit] gehört.
Stellt der Architekt im Laufe einer oft mehrjährigen Planungsphase fest, dass die unter Umständen mehrere Jahre alte Baukostenobergrenze nicht einzuhalten ist, kann er oder sie ja nur mit Veränderung der Planungsinhalte reagieren. Das stellt aber ebenfalls eine Verletzung der Beschaffenheitsvereinbarung dar.
Dieses Dilemma ist bei einer uneinsichtigen Bauherrenschaft unlösbar. Und das neben vielfältigen Einflüssen auf Baukosten, die von Architekten nicht zu beeinflussen sind.
Wo, verehrte Juristen, bleibt hier der Realitätsbezug?

BERND TIBES, DGI BAUWERK GESELLSCHAFT
VON ARCHITEKTEN, BERLIN
[F.A.Z. | Nr. 215 | 16.09.2019, S.18]